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SEPALastschriftBeitragsverwaltung

SEPA-Lastschrift im Sportverein: Ein Leitfaden

Alan Murphy·

Am Anfang hat einfach jeder überwiesen

In unserem Tennisverein lief es jahrelang so: Der Kassenwart verschickt die Rechnungen, und dann wartet er. Wartet, dass die Leute überweisen. Manche machen das am selben Tag. Manche nach zwei Wochen. Manche gar nicht.

Dann fängt das Suchen an. Der Kontoauszug liegt aufm Tisch, daneben die Mitgliederliste. Zeile für Zeile: Hat Schmidt überwiesen? Ja, aber der Betrag stimmt nicht — der hat den Sommerkurs vergessen. Hat Müller überwiesen? Da steht „Müller M." — ist das Michael oder Maria?

Jedes Quartal das gleiche Spiel. Acht Stunden Arbeit, verteilt auf drei Abende. Und am Ende bleibt immer die Frage: Haben wir jemanden vergessen?

Dann kam die Idee mit der Lastschrift

Irgendwann hat einer im Vorstand gesagt: „Können wir das Geld nicht einfach einziehen? Wie der Stromversorger?"

Gute Idee. Klingt einfach. Ist es im Prinzip auch. Statt darauf zu warten, dass 140 Leute von sich aus überweisen, zieht der Verein den Beitrag direkt vom Konto ein. Alle auf einmal. Fertig.

Das Zauberwort heißt SEPA-Lastschrift. SEPA steht für — egal, das interessiert keinen. Wichtig ist nur: Es ist das Verfahren, mit dem in ganz Europa Geld eingezogen wird. Euer Fitnessstudio macht das so. Euer Handyvertrag auch. Und euer Verein kann das genauso.

Was man dafür braucht

Bevor es losgeht, braucht ihr drei Dinge:

Erstens: Eine Gläubiger-ID. Die bekommt ihr kostenlos bei der Deutschen Bundesbank. Dauert ein paar Tage, ist aber nur ein Formular. Diese Nummer identifiziert euren Verein als jemand, der Lastschriften einziehen darf. Einmal beantragen, fertig, die ändert sich nicht mehr.

Zweitens: Ein Mandat von jedem Mitglied. Ein Mandat ist die Erlaubnis, Geld vom Konto einzuziehen. Früher war das ein Zettel mit Unterschrift. Geht immer noch, aber inzwischen kann man das auch digital machen — und ehrlich gesagt: Das spart unglaublich viel Arbeit.

Drittens: Die IBAN eurer Mitglieder. Klar. Ohne Kontonummer geht es nicht. Die braucht ihr sicher gespeichert — nicht in einer Excel-Tabelle auf dem privaten Laptop.

So ein Mandat — was steht da eigentlich drin?

Nichts Kompliziertes. Im Grunde sagt das Mitglied: „Ja, der Verein darf Geld von meinem Konto einziehen. Hier ist meine IBAN."

Dazu gibt es eine Mandatsreferenz — eine eindeutige Nummer pro Mitglied. Und das Datum, wann das Mandat erteilt wurde. Das war's.

Wichtig ist nur: Ihr müsst die Mandate aufbewahren. Wenn ein Mitglied bei seiner Bank anruft und sagt „Die haben ohne Erlaubnis abgebucht!", dann müsst ihr das Mandat vorzeigen können. Also nicht in einer Schublade verschwinden lassen.

Die 14-Tage-Regel

Das ist der Punkt, den viele nicht kennen. Und der schon für Ärger gesorgt hat.

Bevor ihr Geld einzieht, müsst ihr das Mitglied vorher informieren. Mindestens 14 Tage vorher. Das ist die sogenannte Vorabankündigung, oder Pre-Notification, wenn man es schick sagen will.

Die E-Mail muss enthalten: Wie viel wird eingezogen, wann, und von welchem Konto (die letzten vier Ziffern reichen). Das ist keine Empfehlung — das ist Pflicht. Wenn ihr das nicht macht und ein Mitglied die Lastschrift zurückgibt, habt ihr schlechte Karten.

In der Praxis heißt das: Ihr plant den Einzug, schickt 14 Tage vorher die E-Mails raus, und dann zieht ihr ein. Klingt nach viel Aufwand? Kann man automatisieren. Dazu gleich mehr.

Wie der Einzug technisch funktioniert

Jetzt wird es kurz etwas trockener, aber das gehört dazu.

Die Bank versteht kein Excel und keine PDF. Die Bank versteht nur ein bestimmtes Dateiformat: pain.008. Ja, das heißt wirklich so. Das ist eine Datei, in der steht: Von diesen Konten bitte diese Beträge an unser Konto überweisen. Die ladet ihr im Online-Banking hoch, bestätigt — und das Geld kommt.

Das Format ist genormt. In ganz Europa. Wenn die Datei richtig aufgebaut ist, funktioniert sie bei jeder Bank. Wenn sie falsch ist, lehnt die Bank sie ab. Oder — schlimmer — sie wird verarbeitet, aber einzelne Buchungen schlagen fehl.

Was schiefgehen kann

Und das ist der Teil, der keinen Spaß macht.

Rücklastschriften. Wenn ein Konto nicht gedeckt ist, oder die IBAN falsch war, oder das Mitglied die Lastschrift bei seiner Bank zurückgibt — dann kommt das Geld zurück. Und das kostet. Bei den meisten Banken 4 Euro pro Rücklastschrift. Nicht viel, aber bei fünf Stück sind das 20 Euro, die der Verein erstmal bezahlt hat.

Deshalb ist es so wichtig, dass die IBANs stimmen. Eine IBAN hat eine eingebaute Prüfsumme — man kann also vorher checken, ob die Nummer überhaupt gültig ist. Trotzdem passiert es. Leute schließen ihr Konto, vergessen Bescheid zu sagen, und dann geht die Lastschrift ins Leere.

Wochenenden und Feiertage. Die Bank verarbeitet Lastschriften nur an Bankarbeitstagen. Wenn ihr als Einzugsdatum einen Samstag eintragt, wird das verschoben. Manche Banken machen das stillschweigend, manche lehnen die Datei ab. Am besten: Immer einen Werktag wählen und im Kalender nachschauen, ob es ein Feiertag ist.

Doppelte Einzüge. Wenn die Datei versehentlich zweimal hochgeladen wird — und das passiert öfter, als man denkt — dann werden die Mitglieder doppelt belastet. Das ist nicht nur peinlich, sondern auch ein Riesenspaß beim Rücküberweisen.

Warum das mit Excel nicht funktioniert

Ich weiß, manche Vereine basteln die pain.008-Datei von Hand zusammen. Mit Excel-Vorlagen und XML-Bausteinen, die irgendwer mal im Internet gefunden hat.

Das funktioniert — bis es nicht mehr funktioniert. Und dann sucht man den Fehler in einer Datei, die aussieht wie Maschinensprache, und keiner weiß, ob das Komma in Zeile 847 richtig sitzt.

Mal ehrlich: Wer will sich das antun? Der Kassenwart ist Ehrenamtler. Der hat abends anderes zu tun, als XML-Dateien zu debuggen.

Was es einfacher macht

In BeitragsKlar funktioniert das so: Ihr wählt die Mitglieder aus, die per Lastschrift zahlen. Das System prüft automatisch, ob ein gültiges Mandat vorliegt und ob die IBAN plausibel ist. Dann seht ihr eine Vorschau — mit jedem einzelnen Betrag, jeder IBAN, jedem Namen. Erst wenn alles stimmt, exportiert ihr die Datei.

14 Tage vorher geht automatisch eine E-Mail an die Mitglieder: „Am 15. März werden 45 Euro eingezogen, Konto ****7823." Fertig.

Wenn doch eine Rücklastschrift kommt, markiert ihr das, und das System erstellt automatisch eine neue Rechnung mit der Rücklastschrift-Gebühr oben drauf. Kein Rechnen, kein Suchen, kein Ärger.

Wie man anfängt

Wenn euer Verein bisher nur mit Überweisungen gearbeitet hat, ist der Umstieg einfacher, als man denkt:

  1. Gläubiger-ID beantragen bei der Bundesbank. Dauert 2-3 Tage. Kostet nichts.
  2. Mandate einsammeln. Entweder auf Papier oder digital. Digital ist einfacher, weil die Daten direkt im System landen und niemand IBANs abtippen muss.
  3. Ersten Einzug planen. Am besten mit einer kleinen Gruppe anfangen — nicht gleich alle 140 Mitglieder. Schaut, ob alles funktioniert. Dann den Rest.
  4. Vorabankündigungen verschicken. 14 Tage vor dem Einzug. Immer.
  5. Datei hochladen. Im Online-Banking einloggen, pain.008-Datei hochladen, bestätigen. Das war's.

Der erste Einzug fühlt sich komisch an. Man sitzt da und denkt: „Hoffentlich geht das gut." Aber wenn es einmal läuft, fragt man sich, warum man das nicht schon viel früher gemacht hat.

Das Ergebnis

Unser Kassenwart hat früher drei Abende pro Quartal mit Zahlungsabgleich verbracht. Jetzt braucht er eine halbe Stunde. Die Beiträge kommen zuverlässig, niemand vergisst zu überweisen, und die Excel-Tabelle hat ausgedient.

Ist es perfekt? Nein. Ab und zu gibt es eine Rücklastschrift, und manchmal ändert jemand seine IBAN und vergisst, den Verein zu informieren. Aber das sind Einzelfälle, keine Systemprobleme.

Der größte Vorteil ist aber ein anderer: Der Kassenwart hat wieder Lust auf den Job. Weil er nicht mehr jeden Abend Kontoauszüge wälzt, sondern sich um das kümmern kann, wofür er sich eigentlich gemeldet hat.


Ihr überlegt, ob Lastschrift was für euren Verein ist? Schreibt mir. Ich erzähl euch, wie es bei anderen gelaufen ist — und wo die Stolperfallen liegen.